Buró Regional de Berlin
[zurück]
Europa wächst zusammen. Sehr deutlich wird das durch die Einführung des Euro-Bargelds zu Anfang dieses Jahres. Aber reicht die gemeinsame Währung aus, um wirklich eine gemeinsame europäische Identität zu schaffen? Unzweifelhaft verbinden gemeinsame Traditionen und gemeinsame langjährige Schicksale die verschiedenen europäischen Länder und Völker. Aber worin drückt sich diese Verbundenheit praktisch aus? Bisher nur im Euro, der zudem die bestehenden nationalen Währungen verdrängt hat.
Der Euro kann so nur bedingt für ein Europa nach dem Leitsatz Einheit in Verschiedenheit stehen. Außerdem gilt der Euro nicht in allen europäischen Ländern, nicht einmal in allen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union.
Um Europa im Kern zu verbinden, muss man auf den kulturellen Kern Europas ausgehen. Die wesentliche Kultur schaffende und Europa verbindende Kraft ist die Sprache. Die gemeinsame Sprache schafft das einende Band um die auseinanderstrebenden Staaten, die gemeinsame Sprache schafft den einen Kulturraum Europa.
Ein einiges Europa braucht eine gemeinsame Sprache.
Allerdings darf diese Sprache nicht an die Stelle der Nationalsprachen treten und diese verdrängen wollen. Damit würde sie ja im Gegenteil den kulturellen Reichtum Europas schmälern. Nein, die europäische Sprache muss Seite an Seite mit den Nationalsprachen stehen, und es muss eine klare Aufgabenteilung geben: die Nationalsprachen für den Verkehr innerhalb und die europäische Sprache für den Verkehr zwischen den Nationen Europas.
Es wäre dann zu klären, welche Sprache denn zur europäischen Sprache am Besten taugte. Es ist leicht zu sehen, dass keine der einzelnen Nationalsprachen zur Repräsentantin des ganzen Europas bestimmt werden kann. Wie sollte etwa Deutsch, wie Französisch oder gar Italienisch das ganze Europa repräsentieren können! Gar nicht erst zu reden von dem rein wirtschaftlichen Ungleichgewicht, das eine solch einseitige Bevorzugung einer einzelnen Nation brächte. Aus dem selben Grunde kann auch Englisch nicht die Sprache Paneuropas werden; ganz abgesehen davon, dass gerade die Engländer dem europäischen Einigungsprozess traditionell sehr skeptisch gegenüberstehen.
Wenn aber keine der nationalen Sprachen, so soll es aber dennoch eine europäische Sprache sein. Es fällt einem da schnell Latein ein, doch Latein ist tot und nicht wieder zu erwecken.
Die Lösung dieses Dilemmas bietet sich in einer Plansprache an. Allerdings gilt es auch hier sich vorzusehen und nicht blind gleich das Erstbeste zu nehmen.
Der Gedanke einer Plansprache stößt sicherlich bei vielen zunächst auf Ablehnung, weil sie an ein Konstrukt à la Esperanto denken. Und tatsächlich wäre Esperanto mit seiner grammatischen Zwangsmaskierung aller Worte in sein vorgefertigtes Korsett auf -a, -o, -i, mit seinen willkürlichen Endungen auf -ajn und -ojn und mit seiner Wortbetonung z. B. in radío, spegúlo, und seiner seltsamen Aussprache (laca - "laza", müde), die jeder europäischen Sprache widerspricht, keine gute Wahl. Ja, man kann sogar zu dem Schluss kommen, Esperanto habe einen anti-europäischen Charakter. (Vgl. Ernst Graber: "Der anti-europäische Charakter des Esperanto")
Die europäische Sprache, die eine Art europäischer Identitätssprache werden soll, muss auf den europäischen Traditionen aufbauen und sie in einer organischen Synthese verbinden. Gleichzeitig muss sie modern und zeitgemäß und überdies auch einfach zu lernen sein, da sie ja wohl überwiegend als eine Fremdsprache gelernt werden muss.
Nach diesen Grundsätzen hat der Baltendeutsche Edgar von Wahl eine Sprache entwickelt, die das Beste aus den europäischen Sprachen in natürlicher Weise vereint. Er hat in jahrelanger Arbeit das Material gesichtet und geordnet, und so steht sein Werk vor uns, nicht wie ein künstlich zusammengestückeltes, nicht wie ein Homunculus oder Frankenstein, sondern natürlich, wie sich auch eine neu gezüchtete Art harmonisch in die Reihe der Verwandten einreiht.
Um den abendländisch-europäischen Charakter, auf dem seine Sprache beruht, zu unterstreichen, hat er sie Okzidental genannt. Okzidental ist eine in jeder Weise natürlich entwickelte, dennoch einfache und homogene Sprache:
Occidental es li ver lingue de Europa.
www.interlingue.org/berlin/Einige Sprachproben:
Genie es un percent inspiration e ninant nin percent transpiration. (Edison.)
Al music-compositor Meyerbeer venit un cantatressa, antean dansera, por que il mey dar su judicament pri su cantatori productiones. Meyerbeer demandat la cantar e dansar alquicos. Quande illa ha ?nit su production, Meyerbeer tacet. "Esque yo posse petir pri vor critica?" "Si vu ordona, yes. Quam un dansera vu ne canta mal, ma quam un cantatressa vu dansa tre bon."
A Yasnaya Pol'ana venit mult forenes. Alquande ha venit un rich americano in li societé de su amics. Ili desirat almen vider li celebri mann e promisset ne trublar le ni per un parol. On ha permisset les ear préter li balcon, u li malad Tolstoy reposat. Li societé movet se lentmen e silentiosmen quam préter un statue de buddhistic deitá. Solmen un dama ne posset retener se e hant haltat por un moment, ha clamat: "Leo Tolstoy, Leo Tolstoy, omni vor nobli libres ha profundmen penetrat mi vive, ma max mult yo apprendet de vor libro . . ." Ci li dama absolutmen ne posset rememorar, quel libre. Li malad poet clinat se super li balustrade de balcon e con ridetta auxilia la: "Mort ánimes?" "Yes, yes", responde li dama. "Ma ti libre es de Gogol, ne de me", respondet Tolstoy.
[zurück]