Was ist Interlingue?

 

Interlingue ist eine Internationale Sprache, die vom Baltendeutschen Edgar von Wahl iniziiert wurde. Er stellte sein Projekt 1922 in einer kleinen Zeitschrift vor, die er »Kosmoglott« (»Weltsprache«) nannte und selber in Reval, heute Tallinn (Estland) herausgab.

»Kosmoglott« war sieben Jahre lang für alle Kritik an der neuen Sprache offen und bot ein Forum auch für andere Projekte. 1929 jedoch hielt man die neue Sprache für so weit im praktischen Gebrauch ausgetestet und gefestigt, dass man die Zeitschrift nur noch in dieser Sprache redigierte und ihr somit ein eigenes Forum gab. Der Name der Zeitschrift wurde der internationalen Orthographie angepasst; sie hieß fortan »Cosmoglotta«.

Wahl hatte seine Sprache »Occidental« genannt, weil der internationale Wortschatz fast ausschließlich aus den großen westlichen Sprachen stammt. Für sein Projekt einer internationalen Sprache versuchte er, dieses schon vorhandene internationale Vokabularium so vollständig wie möglich zu verwenden, ohne aber andererseits die Unregelmäßigkeiten der Nationalsprachen mit zu übernehmen.

Dieser Ansatz war das Neue an der Sprache Wahls: Sie bindet den internationalen Wortschatz vollständig ein, so dass nur sehr wenige Elemente neu gelernt werden müssen und ein Verstehen fast auf den ersten Blick möglich ist. Gleichzeitig strukturiert sie dieses internationale Vokabularium aber nach einem so klaren und einfachen System, dass auch Personen, die dieses internationale Vokabular doch erst neu lernen müssen, damit nicht auch noch die ganzen Unregelmäßigkeiten der nationalen Sprachen lernen müssen.

Wahls Sprache kann als der gelungene Mittelweg, als die Vermittlung zwischen dem ererbten internationalen Wortgut angesehen werden, das das europäische Kulturerbe darstellt, und einer einfachen und regelmäßigen Sprachstruktur, die es jedem, nicht nur Europäern ermöglicht, die Sprache schon nach kurzer Zeit anwenden zu können.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Name der Sprache, »Occidental«, zum Hindernis für ihre Anwendung in den kommunistischen Ländern. Man witterte konterrevolutionäre Tendenzen hinter ihrer Verwendung. Selbstverständlich aber ist eine Sprache selbst ideologiefrei. Jeder kann sie für jede Ideologie ge- und auch missbrauchen. Um den Vorurteilen in den osteuropäischen Ländern zu begegnen entschloss man sich, die Sprache künftig »Interlingue« zu nennen.

Ein weiterer Grund für die Wahl des neuen Namens war, dass die International Auxiliary Language Association (IALA) selbst eine neue Internationalsprache konzipierte, deren Name »Interlingua« war. Um neue Spaltungen in diverse Fraktionen in der Weltsprachbewegung zu vermeiden, versuchte man, die beiden Sprachprojekte, die ja einander sehr ähnlich waren, gegenseitig anzunähern.

Tatsächlich aber kam es nicht zu einer Verschmelzung der beiden Sprachen. Der grundlegende Unterschied zwischen beiden ist, dass IALA-Interlingua, anders als Interlingue-Occidental im Wesentlichen als eine Summe der gemeinsamen Elemente zwischen den südromanischen Sprachen konzipiert ist (Portugiesisch, Spanisch, Italienisch), aber keine Methode zur weiter gehenden Strukturierung bietet, die es auch Personen, die keine dieser Sprachen sprechen, ermöglicht, sie sich schnell und gut anzueignen.

IALA-Interlingua ist damit ein interessantes Modell der Gemeinsamkeiten der süd-romanischen Sprachen. Interlingue-Occidental dagegen ist eine »gesamteuropäische« Sprache. Da aber die »europäische Kultur« (zumindest im sprachlichen Bereich) im Wesentlichen die heutige »internationale Kultur« darstellt (ohne damit andere Kulturen abzuwerten!), ist Interlingue-Occidental die »internationale Sprache«.

zurück zur Leitseite

Leitseite | Interlingue? | IU? | Links